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Blogeintrag

Übersetzungsfehler im Sport

von Jaroslava Jaroscak

Ob Übersetzungsfehler peinlich oder lustig, ärgerlich oder gar geschäftsschädigend sind, hängt vom Kontext und den beteiligten Personen ab. Auch im Sport finden sich vielfältige Beispiele dafür, wie Übersetzungsfehler wirken und was sie bewirken können. Im Folgenden möchten wir Ihnen einen kleinen heiteren, aber nicht ganz unernst zu verstehenden Überblick präsentieren.

 

Vom Saulus zum Paulus oder vom Luther zum Lothar

Dass Lothar Matthäus mit der englischen Sprache eher auf Kriegsfuß steht und gern mal denglisht („he has a good Technik“), bringt ihm viel Spott, aber auch Sympathien ein. Im Mutterland der englischen Sprache, in Großbritannien, hat sich Matthäus mit seinem eigenwilligen Sprachmix fast schon zu einer Marke entwickelt. Da dürfte es den Ex-Nationalspieler und Trainer eher wenig verärgern, dass er unfreiwillig zum Gegenstand eines Übersetzungsfehlers wurde.

Als nämlich im Januar 2018 vor dem Verwaltungsgericht in Kassel ein Asylbewerber befragt wurde, ging es auch um dessen Übertritt zum Christentum. Die Antwort auf die Frage, worüber in der Kirche am vergangenen Sonntag gepredigt worden war, fiel eindeutig aus. Über Lothar Matthäus verstand der Übersetzer und sorgte damit für einen Lacher. Gemeint war allerdings, dass die Predigt von Luther und Matthäus gehandelt habe. (1)

 

Spieler unter Beschuss: Übersetzungsfehler und ihre Folgen

Kleine oder größere Übersetzungsfehler machten auch schon anderen Spielern zu schaffen. So wurde Manuel Neuers Aufforderung an schwule Fußballer, sich zu outen, in südamerikanischen Zeitungen kurzerhand in die Schlagzeile umgedeutet, dass Neuer selbst homosexuell sei. (2)

Zwei Jahre später begann dann für den indischen Stürmer Sunil Chhetri eine atemberaubende Karriere, als die Zeitungen schrieben, er würde demnächst zum BVB wechseln. Allerdings hielt der Karrieresprung nicht lang an, denn auch hier lag ein Übersetzungsfehler zugrunde. Dem Übersetzer war entgangen, dass es sich beim ursprünglichen Artikel um eine Glosse und um ein ironisches Gedankenspiel gehandelt hatte. (3)

„Was hat er denn nun wirklich gesagt?“ Nicht nur die Reden von Präsidenten beschäftigen regelmäßig die Öffentlichkeit. So verärgerte die Aussage des Fußballers Alexandru Maxim, der 2017 vom VfB Stuttgart nach Mainz wechselte, seine früheren Teamkollegen. In einem auf Englisch geführten Interview sollte der aus Rumänien stammende Maxim gesagt haben, dass er beim VfB Stuttgart keine gute Zeit gehabt habe. Doch der Videobeweis ergab: Tatsächlich hatte Maxim nicht von sich, sondern vom Klub selbst gesprochen. (4)

Ebenfalls unschuldig an einem Übersetzungsfehler der besonderen Art dürfte Oliver Kahn sein, dessen 2003 getätigter Ausspruch „Eier, wir brauchen Eier!“ viel und gern zitiert wird. Es wird jedenfalls berichtet, dass es nicht Kahn war, der bei den Olympischen Spielen im Februar 2018 gleich 15.000 Eier für das norwegische Team bestellte. Stattdessen kannten sich die Köche, die sich die Bestellung per Online-Translator übersetzen ließen, nur nicht gut genug im koreanischen Zahlensystem aus. (5)

 

Zerstören das Regelwerk: Unklarheiten im Ausgangstext und fantasierte „Internationalismen“

Mehr als nur peinlich sind Übersetzungsfehler im Sport, wenn dadurch Spiele oder Leistungsbewertungen entschieden werden. So schlich sich in die vom International Football Association Board herausgegebenen Schiedsrichterregeln ein missverständlicher Begriff ein, der im April 2018 zur Niederlage der Freiburger im Turnier gegen Mainz beitrug.

Die Ausgangsfrage lautete: Wann oder wie lange darf ein Schiedsrichter eine einmal getroffene Entscheidung revidieren? Die entscheidende Passage, die darauf Antwort geben sollte, enthielt die Vokabel „terminate“. „Terminate“ aber kann sowohl beenden als auch abbrechen bedeuten. Immerhin trug die Verwirrung dazu bei, dass der Übersetzungsfehler beziehungsweise die mehrdeutige Ausdrucksweise im Ausgangstext rasch entdeckt wurde. (6)

Dass eine unmissverständliche Ausdrucksweise im Leistungssport wie in der Sportmedizin von besonderer Bedeutung ist, zeigt auch die Diskussion, die um eine Übersetzung des englischen Wörterbuchs „Sport und Sportmedizin“ in den 1990er Jahren geführt wurde. Die Kritik betraf den Versuch, künstliche „Internationalismen“ zu schaffen ebenso wie das Auslassen wichtiger Schlüsselbegriffe aus dem Deutschen. Darüber hinaus wurden Übersetzungs- und Rechtschreibfehler moniert. (7)

 

Fazit: Übersetzungsfehler sind keine sportliche Disziplin

Wenn Trapattoni sein „ich habe fertig“ ins Mikrofon schmettert oder ein Denglish sprechender Spieler keinen „Shit“ auf etwas gibt, dann mag das lustig erscheinen. Sobald es im Sport aber ums Regelwerk, um Leistungen, Resultate und um das Image eines Vereins oder eines Unternehmens geht, ist mit Übersetzungsfehlern nicht mehr zu spaßen.
Wir von ALTRAA Fachübersetzungen übersetzen sportwissenschaftliche Texte ebenso zielsprachensicher wie Webseitencontent, Marketingslogans oder Regelwerke. Ins und aus dem Englische(n) und in fast jede andere Sprache der Welt. Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf!


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Quellenangaben:

(1) www.derstandard.de/story/2000071837479/uebersetzungsfehler-vor-kasseler-gericht-predigt-von-lothar-matthaeus
(2) www.mopo.de/sport/wegen-uebersetzungsfehler-suedamerikaner-halten-manuel-neuer-fuer-schwul-5099288
(3) www.n-tv.de/sport/fussball/Stuermer-Sunil-Chhetri-geht-nicht-zum-BVB-article10993311.html
(4) www.swr.de/sport/fsv-mainz-05-alexandru-maxim-maxims-vfb-kritik-war-ein-uebersetzungsfehler/-/id=1208948/did=19841946/nid=1208948/751a2z/index.html
(5) www.focus.de/sport/olympia-2016/olympia-uebersetzungsfehler-sorgt-fuer-eier-ueberschuss-bei-norwegern_id_8436190.html
(6) www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/721991/artikel_mainz-spiel-deckt-uebersetzungsfehler-in-fifa-regeln-auf.html
(7) www.bsz-bw.de/depot/media/3400000/3421000/3421308/97_0205.html

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